Im vergangenen Jahrzehnt fand die Diskussion um Qualität und Qualitätsmanagement (QM) zunehmend Eingang in den sozialen Bereich. Massiv befördert wurde diese Entwicklung durch gesetzliche Vorgaben, etwa in der Pflegeversicherung einerseits, und durch die bewusste Schaffung eines Marktes auf dem sozialen Sektor andererseits.
Für die Wohlfahrtsverbände gilt es daher Flagge zu zeigen um bei diesem Thema auch das eigene Profil zu schärfen. In den auf Bundesebene beschlossenen
Leitsätzen der AWO heißt es:
„Wir bieten soziale Dienstleistungen mit hoher Qualität für alle an.“
Dem stellen wir uns in Nürnberg, doch worin ist nun die Besonderheit des QM-Prozesses bei der AWO Nürnberg begründet? Einrichtungsübergreifend fiel der Startschuss im Jahr 2000. Mit Hilfe externer Beratung wurde die zentrale Leitidee eines gelebten Qualitätsmanagements entwickelt. Was heißt dies?
Das QM-System soll keinen bürokratischen Normenkatalog schaffen. QM muss gelebt werden, muss erlebbar sein - für die Kunden wie für die Mitarbeiter. Unabdingbare Grundlage hierfür sind die internen Organisationsabläufe, also die Kommunikation (wie verläuft der Informationsfluss?) und die Kooperation (wie klappt die interne Zusammenarbeit?).
Ein gelebtes QM will Schwächen nicht nur feststellen und dokumentieren, sondern auch gezielt abstellen. Ein menschlicher Wesenszug scheint die Angst vor Veränderungen zu sein. Deshalb steht und fällt das Thema Qualitätsmanagement mit der ständigen Informations- und Überzeugungsarbeit bei der Mitarbeiterschaft. Nur überzeugte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können qualitativ gute Arbeit leisten. Hierbei haben die Führungskräfte eine wichtige Rolle durch ihre Vorbildfunktion inne. Folglich wurden sie im Rahmen des Qualitätsprozesses intensiv geschult.
In den beiden vergangenen Jahren haben dann die Mitarbeiter, quasi als Experten für die jeweilige Arbeit vor Ort (gleich ob Pflege, Beratung, Betreuung, etc.), fachliche Standards entwickelt, an denen sich die Qualität ihrer Tätigkeit messen lässt.
Zukünftig geht es darum, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen und ihn zu verstetigen. Veränderungen und Verbesserungen - inhaltlicher wie organisatorischer Art - müssen ständig möglich sein.
Nicht selten sind es ja gerade vermeintlich kleine Änderungen, die durchaus spürbare positive Auswirkungen zeitigen können. Wichtig ist es, bei QM keine kurzzeitige Begeisterungseuphorie zu entwickeln, sondern langen Atem zu zeigen. Frei nach dem Motto: „Selbst der längste Weg beginnt mit einem ersten Schritt.“
Im Fokus für die kommenden Jahre steht die Strukturqualität, d.h. die gezielte Fragestellung, ob die über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen fachlich angemessen, wirtschaftlich und zukunftsfähig sind.
Das kleine Jubiläum - 5 Jahre organisierter QM-Prozess - hat die AWO Nürnberg zum Anlass genommen, die Mitarbeiter zu einem Fest, das am Freitag, 16. September 2005, in der AWOthek (Karl-Bröger-Straße 9) stattgefunden hat, einzuladen.
Unter dem Motto „Feste arbeiten – Feste feiern“, an dem sich etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Einlagen unterschiedlichster Art (vom musikalischen Auftritt bis zum Quiz) beteiligt hatten, wurde erstmals eine neu geschaffene
Wanderausstellung präsentiert, die auf verschiedenen Infotafeln die bisherigen Schritte im laufenden QM-Prozess dokumentiert.
Die Resonanz war überwältigend; für die meisten Anwesenden konnte auf humorvolle Art und Weise ein völlig neuer Zugang zum Thema „Qualitätsmanagement“ geschaffen werden. Gelebtes QM – da darf nun mal auch gelacht werden...!