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Die AWO Nürnberg im Prozess der Interkulturellen Öffnung

Im Sinne einer interkulturellen Ausrichtung der Organisation liefen seit 2006 eine Vielzahl von Aktivitäten zur Umsetzung an:

Aktivenforum

Das Aktivenforum aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der AWO Nürnberg beschäftigte sich u.a. mit der Entwicklung eines Leitbildes für interkulturelle Arbeit bei der AWO Nürnberg.

Arbeitskreis "Interkulturelle Öffnung der Organisation"

Der Anfang April 2006 neu gegründete Arbeitskreis "Interkulturelle Öffnung der Organisation" (AK IKÖ) setzte sich aus engagierten Mitarbeitern zusammen und erarbeitete konkrete Schritte zur Umsetzung einer interkulturellen Öffnung der AWO Nürnberg.

So erschien im Herbst zum ersten Mal in der AWO Post ein Artikel in türkischer und russischer Sprache und wurde auch gezielt an Migranten verteilt.
Der zentrale Flyer über alle Angebote der Nürnberger AWO wurde auf türkisch und russisch übersetzt.
Die AWOthek spricht auf ihren Plakaten gezielt Migranten in ihrer Herkunftssprache an.

Programmbeirat

Der Programmbeirat der AWOthek hat Migranten zur Zielgruppe für Veranstaltungen und Angebote der AWOthek bestimmt. In diesem Zusammenhang wandte sich der Verband nach außen und lud im Mai Unternehmer mit Migrationshintergrund zu einem Austausch in die AWOthek ein. Im März kamen 26 Migrantinnen und Migranten von sog. Migrantenselbstorganisationen in die AWOThek und zeigten großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Nürnberger AWO.

Entsprechende trägerübergreifende Aktivitäten zur Netzwerkarbeit sind in Planung und wurden bereits durchgeführt.

Arbeitskreis "Kultursensible Altenhilfe"

Der Arbeitskreis "Kultursensible Altenhilfe" (KusA) rückte die Wünsche und Bedürfnisse der älteren Migranten in den Blick und versucht u.a., die einheimischen Mitarbeiter durch Fort- und Weiterbildung für die Bedürfnisse der älteren Migranten zu sensibilisieren.

Interkulturelle Mediation

Mediation ist ein vermittelndes, vor- und außergerichtliches, Verfahren zur Konfliktregelung. Mit Hilfe neutraler Personen (Mediatoren) erarbeiten die Konfliktparteien eine selbstbestimmte, einvernehmliche Regelung. Seit Mitte 2002 sind drei Kollegen der AWO Nürnberg im Netzwerk für Interkulturelle Mediation der Stadt Nürnberg.

Interkulturelle Kompetenz

Interkulturelle Kompetenz als verpflichtende Qualifizierung, durchgeführt von InkuTra dem AWOinternen Fortbildungsangebot zur Erweiterung der interkulturellen Handlungskompetenz,ist ein weiterer Baustein bei der Umsetzung der Interkulturellen Öffnung der Nürnberger AWO.


Die aufgelisteten Aktivitäten dokumentieren das große Interesse und Engagement, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Alle Beteiligten waren hoch motiviert bei der Sache und sehr erfreut über die ersten Arbeitsergebnisse. Es zeigte sich aber auch im Lauf der Zeit die Notwendigkeit, die bisherigen Ergebnisse im Rahmen eines Gesamtkonzeptes gezielt zu erfassen, weiter zu entwickeln und nachhaltig im Verband zu verankern.

Im Prozess der Interkulturellen Öffnung

Eine Projektgruppe bestehend aus hauptamtlichen Mitarbeitern und zwei Vorstandsmitgliedern wurde vom Vorstand beauftragt, unter Federführung des zuständigen Fachreferats "Migration und Integration" bis Ende des Jahres 2007 ein konkretes Arbeitskonzept für den hauptamtlichen Bereich zu entwickeln. Die Umsetzung im ehrenamtlichen Bereich wird eine der Aufgaben des neu gewählten Vorstands sein.

Als zukunftsweisende Grundlage wurde ein Leitbild zur Interkulturellen Öffnung der AWO Nürnberg sowie ein Konzept zur Umsetzung entwickelt, das in verschiedenen Beteiligungsschleifen von Vorstand, haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinen und Mitarbeitern diskutiert und vom Vorstand in der jetzt vorliegenden Fassung am 26. Februar 2008 verabschiedet wurde.

Mit den bisher geleisteten Vorarbeiten hat die AWO Nürnberg solide Voraussetzungen für die konkrete Umsetzung der interkulturellen Öffnung geschaffen. Auf dieser Basis gilt es jetzt, in den Einrichtungen dieses Konzept lebbar und lernbar zu machen und mit Praxis bezogenen Inhalten zu füllen.

Die nächsten Schritte der Umsetzung

Entscheidend war in der Folge, das Leitbild mit dem beruflichen Alltag in eine direkte Verbindung zu bringen. Genau diese Aufgabe ging im Herbst 2008 an alle Einrichtungen. Wo gibt es aus den Erfahrungen der Praxis Handlungsbedarf? Was kann konkret gemacht werden, um die Zielsetzung des interkulturellen Leitbildes Wirklichkeit werden zu lassen.

Unterstützung bei der weiteren Umsetzung erhielten alle Führungskräfte im April 2009 in einem ganztätigen Workshop. Es ging vor allem um die nahchaltige Verankerung der interkulturellen Öffnung als Leitungsaufgabe unter Berücksichtigung des Handlungsbedarfs aus den verschiedenen Praxisfeldern. Besonders wichtig war hier die Beschreibung von schwierigen interkulturellen Situationen im Arbeitsalltag, d.h. sog. kritische Fälle zu benennen und nach Lösungen zu suchen. Nur in der offenen Auseinandersetzung damit kann die Organisation lernen. Daher wäre es verfehlt, aus falsch verstandener Scham oder Rücksichtnahme Probleme unter den Tisch zu kehren, um nach außen eine heile Welt zu spiegeln. Im Gegenteil, alle Beteiligten wurden ermuntert, entsprechende Beispiele zu nennen. Eine wichtige Erkenntnis bei der Klärung dieser Fragen: "Es gibt keine vorgeschriebenen "richtigen" Handlungen und Reaktionen. Vorrang hat eine von Respekt und Empathie geprägte Haltung. Nur so ist es möglich, auftretende Konflikte klar zu benennen und zu bearbeiten. Folgerungen für die weitere Implementierung der interkulturellen Öffnung wurden gemeinsam mit den QM-Beauftragten entwickelt.

Der Ortsverein "Nürnberg International"

Die Umsetzung des Leitbildes betrifft nicht nur den hauptamtlich, sondern auch den ehrenamtlich getragenen Teil der AWO Nürnberg. Nachdem der Vorstand Ende 2008 die Gründung eines Ortsvereins "AWO Nürnberg international" beschlossen hatte, zeigten schon bald einige Interesse an einem Engagement, so dass im April 2009 die Gründungsversammlung stattfinden konnte. Ausgestattet mit den satzungsgemäßen Rechten und Pflichten soll dieser Ortsverein Menschen mit Migrationsgeschichte den Zugang zur AWO Mitgliedschaft mit all ihren Möglichkeiten erleichtern, d.h. sich in einem sozialen Verband zu engagieren, Funktionen zu besetzen und neue inhaltliche Impulse zu geben.

Die Gründung des Ortsvereins "Nürnberg International"  bedeutet einen Meilenstein in der Verbandsgeschichte der AWO. Er ist in der Zusammensetzung seiner Mitglieder einmalig in Deutschland. Die konstituierende Sitzung fand am 6. April 2009 statt. Ali Bencibara (aus der Türkei) wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt, Robert Katianda (aus dem Kongo) und Ivial Lyidinc (aus der Türkei) zu seinen Stellvertretern. Weitere Vorstandsmitglieder kommen aus Lettland, Italien und einer aus Deutschland. Dieser Ortsverein zählt derzeit schon 41 Mitglieder aus neun Nationen. Wer in diesem Ortsverein mitarbeiten will - natürlich auch Einheimische, ist herzlich willkommen.
Jeweils am ersten Mittwoch des Monats findet in der AWOthek, Karl-Bröger-Str. 9, ab 20:00 Uhr ein öffentlicher Stammtisch statt.

2009 wurde die verbindliche Zusammenarbeit mit Migrantenvereinen und -gruppen weitergeführt und verstärkt. Hier ist insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Verein "Afrodeutsche" und weiteren afrikanischen Gruppen hervorzuheben.
"Demokratie braucht eine Stimme" - damit warb die Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Bayern für das kommunale Wahlrecht für alle. Die AWO Nürnberg nimmt diese Forderung sehr ernst und unterstützte diese Kampagne mit einem entsprechenden Vorstandsbeschluss.

Weitere Umsetzung der interkulturellen Öffnung bis Dezember 2010

Aufgrund von besonderen personellen und strukturellen Herausforderungen im Jahr 2010 und den damit zeitlich gebundenen Ressourcen war eine systematische Umsetzung (idealerweise mit Prozessschritten, Messindikatoren, erreichten Teilzielen etc) – noch – nicht möglich, wird aber als Ziel im Fokus behalten.

Vor diesem Hintergrund wurde erstaunlich viel umgesetzt. Die Aktivitäten des Kreisverbandes bei den MigrantInnen in Nürnberg stießen auf große Anerkennung – Zitat “Die AWO hat für uns ein Gesicht bekommen“. Die positive Resonanz war auch überregional der Fall (siehe z.B. bundesweite Anfragen und Besuche).
Selbstkritisch darf aber nicht verschwiegen werden, dass das Bewusstsein für sogenannte „kritische Fälle oder Situationen“, deren erfolgreiche Bearbeitung einen wirklichen Mehrwert für alle Beteiligten hätte, noch nicht sehr ausgeprägt ist. Hier besteht weiterhin Handlungsbedarf ebenso wie an interkulturellen Fortbildungen und Coaching vor Ort.

Links zu den Aktivitäten

IKÖ als Auftrag zur aktiven Beteiligung im Gemeinwesen (PDF 60 KB)

IKÖ als Auftrag an Vorstand und Ortsvereine (PDF 51 KB)
IKÖ als Auftrag zur kontinuierlichen Organisations- und Qualitätsentwicklung (PDF 58 KB)
Interkulturelle Öffnung

 Mit der bisher geleisteten Arbeit hat die AWO Nürnberg solide Voraussetzungen für die nachhaltige Umsetzung der interkulturellen Öffnung im Verband geschaffen.

Stand 15.02.2011

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